"Fakten gegen Fake News - Oder der Kampf um die Demokratie"

Vor einigen Jahren erschien das Buch Fakten gegen Fake News. Darin ging es um die Frage, wie Desinformation funktioniert, warum Menschen Falschinformationen glauben und was Journalismus, Faktenchecks und politische Bildung dagegen ausrichten können. Heute ist klar: Vieles daran war richtig – aber manches war zu optimistisch, manches zu kurz gedacht und manches hat die Wucht der Entwicklung unterschätzt.

Patrick Gensing nimmt seine Bücher Fakten gegen Fake News (2019) und Rechte Hetze im Netz (2015) zum Ausgangspunkt für eine klare und selbstkritische Bilanz. Dabei geht es ausdrücklich nicht um die simple These, Faktenchecks seien gescheitert oder überflüssig geworden. Sie bleiben unverzichtbar. Aber sie wurden mit Erwartungen überladen, die sie gar nicht erfüllen können. Ein Faktencheck kann klären, ob eine Behauptung stimmt. Er kann nicht allein erklären, warum längst widerlegte Erzählungen politisch wirksam bleiben, warum sie ganze Milieus prägen oder weshalb Desinformation trotz immer besserer Aufklärung an Einfluss gewinnt.

Der Vortrag richtet den Blick deshalb auf das eigentliche Problem: die Architektur unseres Informationsraums. Plattformen sind keine neutralen Verbreitungswege, sondern bestimmen durch Geschäftsmodelle, Algorithmen und Anreizsysteme maßgeblich, was sichtbar wird, was sich verbreitet und welche Kommunikation belohnt wird. Gleichzeitig hat sich Desinformation verändert. Oft geht es längst nicht mehr darum, eine einzelne Lüge durchzusetzen. Entscheidend sind Wiederholung, Verunsicherung, Emotionalisierung und der systematische Angriff auf Vertrauen in Medien, Wissenschaft, Politik und andere Institutionen.

Die Bilanz ist deshalb weit mehr als ein Rückblick auf zehn Jahre Debatte über „Fake News“. Sie ist der Versuch zu verstehen, was in unserem Umgang mit Desinformation schiefgelaufen ist, welche Annahmen sich als falsch oder unzureichend erwiesen haben und welche Konsequenzen daraus folgen müssen. Denn nur wer die Fehler der vergangenen Jahre versteht, kann sinnvoll entscheiden, was künftig anders werden muss.

Anhand von Passagen aus dem damaligen Buch und konkreten Beispielen aus der Gegenwart fragt der Vortrag: Was haben wir richtig gesehen? Was haben wir unterschätzt? Warum reicht die Korrektur einzelner Falschbehauptungen nicht aus? Und wie muss eine demokratische Öffentlichkeit reagieren, wenn nicht mehr nur um einzelne Fakten gestritten wird, sondern um die Bedingungen, unter denen gesellschaftliche Wirklichkeit überhaupt entsteht?

Zum Referenten

Patrick Gensing lebt in Hamburg und ist Journalist, Autor und Kommunikationsexperte. Seit 2022 ist er Vereinssprecher des FC St. Pauli und verantwortet die gesamte Kommunikation des Vereins. Zuvor leitete er unter anderem den ARD-„faktenfinder“ und beschäftigte sich dort intensiv mit Desinformation, Rechtsextremismus, Verschwörungserzählungen und politischer Propaganda.
Zu diesen Themen hat Gensing mehrere Bücher veröffentlicht, darunter Rechte Hetze im Netz und Fakten gegen Fake News. Daneben schreibt er für verschiedene Medien, unter anderem für die taz und Belltower News, und ist als Berater für internationale Medien tätig. Inhaltlich beschäftigt er sich vor allem mit Desinformation, Propaganda, Polarisierung, Medienwandel und der Frage, wie demokratische Öffentlichkeit unter veränderten digitalen und politischen Bedingungen funktionieren kann.

Buchdetails

Patrick Gensing
"Fakten gegen Fake News - Oder der Kampf um die Demokratie"
176 Seiten, Hardcover
Dudenverlag
ISBN 978-3-411-75428-1
18 Euro

Foto: Von Martin Kraft - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Top