Freundes- und Förderkreis mit Jüdischer Gemeinde Delmenhorst besuchen die Synagoge Stadthagen
Mitglieder des Freundeskreises der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst besuchten die ehemalige Synagoge in Stadthagen. Dort bot sich Einblick in die Geschichte jüdischen Lebens und das Wirken des örtlichen Fördervereins.
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Synagoge Stadthagen: Spuren jüdischen Lebens in Schaumburg
„Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist.“ (Talmud)
Am Sonntag, 26. Juli, war es soweit. Mitglieder aus dem Freundeskreis der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst, jüdische Gemeindemitglieder und andere interessierte Teilnehmer besuchten die ehemalige Synagoge in Stadthagen. 36 Mitreisende waren wir – eine stattliche Anzahl.
Empfangen wurden wir von Marina Jalowaja und Andreas Kraus, die beide dem Stadthagener Förderverein ehemalige Synagoge angehören. Dieser Verein wurde 2008 gegründet, nachdem der Rat der Stadt beschlossen hatte, die Synagoge zu einem Lernort für ganz Schaumburg zu machen.
1775 hatte der jüdische Leinenfabrikant Isaak Raphael Saalfeld einen Gebetsraum in einem privaten Hinterhaus errichten lassen. Erst 1858 wurde eine neue Synagoge in der Niedernstraße eingeweiht. Bis 1933 integrierten sich die Stadthäger Juden in das städtische Leben. Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten begannen antisemitische Aktionen. Gegen jüdische Geschäfte wurde zum Boykott aufgerufen, jüdische Schüler wurden der Schule verwiesen, Juden erhielten Berufsverbot und nach der Reichspogromnacht verließen 30 jüdische Bürger das Land. Fast alle anderen Stadthäger jüdischer Religionszugehörigkeit wurden 1941 in verschiedene Konzentrationslager deportiert und dort umgebracht. Von diesem furchtbaren Schicksal war auch die Kauffrau Clara Asch betroffen, die ein kleines Geschäft für Schuhe und Textilien in der Niedernstraße betrieb. Vier Fotos bleiben von Clara erhalten. Eine Aufnahme zeigt, wie sie vor ihrer Deportation – schwarzgekleidet – mit zwei Koffern in der Hand zum Marktplatz geht. Mit ihrer taubstummen Schwester Pauline wurde sie im Vernichtungslager Auschwitz ermordet.
Vor der Synagoge wurde Clara ein Denkmal gesetzt. Der Glaskünstler Frieder Korff erstellte eine Skulptur, die an Clara Asch und damit an alle entrechteten, vertriebenen und deportierten Stadthäger Juden erinnern soll. Gedacht wird auch Martin K., einem zweijährigen Jungen mit Downsyndrom, der ein Opfer der nationalsozialistischen „Kindereuthanasie“ wurde.
Nach der Shoah gab es in Stadthagen keine jüdische Gemeinde mehr. Die Synagoge wurde als Abstellraum für Mobiliar von Flüchtlingsfamilien benutzt, später als Warenlager für Farben, Teppiche und Tapeten. Ab 2008 mietete die Stadt das Gebäude und übertrug dem im selben Jahr gegründeten Förderverein die Aufgabe, das Gebäude zu sanieren und in einen „Lern- und Gedenkort“ umzuwandeln. Die ehemalige Synagoge wurde mit aufwändigen Außen- und Innenarbeiten restauriert und ist zu einem wahren „Schmuckstück“ geworden.
Besonders die Fenster des Gebäudes sind ein Blickfang. Der Glaskünstler Korff hat die Diaspora mit der Zerlegung des Davidsterns mit Hilfe von geometrischen Formen symbolisch dargestellt. Der wieder zusammengeführte Davidstern wird ebenfalls in den Fenstern abgebildet.
Eine alte Thora wird hinter einem Glasfenster ausgestellt. Auf einer Infostation sind die Biografien der Opfer der Shoa und der Verfolgten des Nationalsozialismus abrufbar.
Der Förderverein hat 240 Mitglieder, die unter anderem aus den Lehrerkollegien, den demokratischen Parteien und den Kirchen kommen. Projekte wie die Stolpersteine, ein deutsch-polnisches Theaterprojekt, die Arbeit mit vielen Schulgruppen, die Vermittlung des jüdischen Puppentheaters „Bubales“ in Grundschulklassen, Fortbildungen, Vorträge, Studienfahrten nach Auschwitz – die Liste der Aktivitäten ist sehr lang und vermittelt uns einen Eindruck, wie großartig und vorbildlich das Engagement dieses Vereins in der Vergangenheit und Gegenwart war und ist.
Herzlichen Dank an Marina Jalowaja und Andreas Kraus für diese sehr bewegenden Stunden in diesem schönen, friedlichen „Synagogen-Lernort“ Stadthagen.
Nach dem Besuch der ehemaligen Synagoge in Stadthagen rundete die Gruppe ihre Fahrt mit der Besichtigung des Schlosses Bückeburg ab.
Dr. Christiane Goldenstedt für den Freundes- und Förderkreis der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst