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Lyrikerin und Ehrenmitglied Dagmar Nick feiert 100. Geburtstag

Unser Ehrenmitglied Dagmar Nick ist 100 Jahre alt geworden. Wir verdanken ihr Zuspruch und Ermutigung für unsere Arbeit. Sie schätzte vor allem auch den im Schaumburger Land ausgeschriebenen Schreibwetbewerb SPUREN SCHREIBEN und bestärkte uns in dieser Sache.

Wir dokumentieren den Artikel von Volkmar Heuer-Strathmann in den SCHAUMBURGER NACHRICHTEN

Glückwünsche und Blumengrüße aus Stadthagen an Ehrenmitglied im Förderverein Ehemalige Synagoge

VON VOLKMAR HEUER-STRATHMANN

STADTHAGEN. Die in München lebende Lyrikerin Dagmar Nick ist Ehrenmitglied im Förderverein Ehemalige Synagoge Stadthagen. Ihre Verbindung mit der historischen jüdischen Gemeinde hat sie in dem Buch „Mein jüdisches Familienleben" skizziert. Am 30. Mai feiert sie nun ihren 100. Geburtstag, 1926 kam sie in Breslau zur Welt. Andreas Kraus, der Vorsitzende des Fördervereins, bringt eine tiefe Verbundenheit mit Nick zum Ausdruck.

Ihre Mutter Kaete war Halbjüdin. Ihr Vater Edmund, der in Breslau, heute Wroclaw, beim Rundfunk als Komponist tätig war, wurde 1933 entlassen. „Weil er nicht in die NSDAP eintreten wollte", sagt Nick im Rückblick. Die Familie zog nach Berlin. Dass der Vater Erich Kästner kannte, erwies sich als Glücksfall. Denn Nicks Gedicht „Flucht" wurde 1945 in der von Kästner mitgestalteten Neuen Zeitung veröffentlicht. Dass man in jenem Jahr Bedenken hatte, den „Tagesspiegel" in dieser Druckversion zuzulassen wegen der SS-Schreibung, passt zu Debatten der Gegenwart, gerade in der Überspitzung.

Nick, die von sich sagt, als Kind schon gereimt zu haben, ehe sie dichtete, ist inzwischen im „Ewigen Brunnen" vertreten. „Überlegung" hat man als ein Gedicht unter unzähligen Werken aus zwölf Jahrhunderten ausgewählt. „Eigentlich dachte ich, Frieden sei Glück und nicht bloß eine Vokabel" , heißt es dort. Und später, als die Tauben ohne Ölzweig im Schnabel zurückkehren: „Vielleicht habe ich doch nicht genug getan für das Leben."

Den Schaumburger Literaturwettbewerb „Spuren schreiben" begleitet Nick als Schirmherrin. Dem Projekt aus der Synagoge und den Beiträgen junger Menschen aus der Region zollte sie schon zum Auftakt große Anerkennung. Was wissenschaftliche Literaturbetrachtung angeht, hat sie hohe Ansprüche, wie ein Seitenhieb im Jahr 1991 gegen eine Germanistin zeigt: „Gedruckte Halbbildung ist eine Zumutung für jeden Leser." Es ging um die Antike und ihre Mythen. Selbst hat sie sich im Monolog „Medea" intensiv mit dem gefesselten Prometheus und der Ambivalenz des Feuers befasst. „Wir haben nicht die ewige Jugend, die ewige Gesundheit", liest man im Anhang.

Mit der jüdischen Lyrikerin Nelly Sachs wird Nick oft in Verbindung gebracht. Die Liste der Auszeichnungen und Preise ist lang. In dem Poem „Den Generälen ins Soldbuch" liest man Brisantes: „Teilt die Sonnensysteme unter euch auf, ihr braucht Raum für die Toten. " Einem Journalisten der TAZ hat sie kürzlich gesagt: „Ich habe keine Angst vor dem Tod, ich habe die Nazis überlebt." Über Blumengrüße und Glückwünsche aus Stadthagen wird sie sich sicherlich freuen, auch wenn ihr die Romantik der schlichten Art fremd ist.

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