Rede von Ministerpräsident Nethanjahu vor der UN-Vollversammlung
Vor der UN hat nach Einschätzungen von Beobachtern MP Nehtanjahu eine Wahlkampfrede gehalten. Am 27. Oktober wird in Israel ein neues Parlament gewählt. Mit einer Zusammenfassung der Rede (aus israelischen Quellen) möchten wir die politischen Positionen dokumentieren, die von der israelischen Regierung in die Diskussion gebracht werden.
Netanjahu vor der UN: Frontalangriff auf Iran, Katar, Erdogan und Mamdani
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hat vor der UN-Generalversammlung in New York eine kämpferische Rede gehalten. Im Mittelpunkt standen der Krieg gegen Iran und seine Verbündeten, die internationalen Genozidvorwürfe gegen Israel sowie schwere Anschuldigungen gegen Katar, den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und den New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani.
Als Netanjahu ans Rednerpult trat, verließen zahlreiche Delegationen den Saal. Zugleich waren Buhrufe zu hören. Netanjahu reagierte darauf mit der Aufforderung, auch die noch anwesenden „moralischen Feiglinge“ sollten den Saal verlassen. Vertreter der Vereinigten Arabischen Emirate blieben dagegen nach israelischen Medienberichten anwesend.
Netanjahu begann mit Iran. Er erinnerte an seine frühere Warnung vor dem iranischen Atomprogramm und erklärte, Israel habe sein Versprechen eingelöst, den Bau iranischer Atomwaffen zu verhindern. Die Zerstörung der iranischen Nuklearanlagen sei ilitärisch
außerordentlich schwierig, für ihn politisch aber eine leichte Entscheidung gewesen. Ohne diese Angriffe, behauptete Netanjahu, wären nicht nur Israel, sondern auch andere Staaten existenziell bedroht gewesen.
Netanjahu erklärte weiter, Israel und die Vereinigten Staaten hätten die iranische Luftwaffe, Marine und weitere militärische Fähigkeiten entscheidend getroffen. Er nannte zudem mehrere getötete Anführer der gegen Israel gerichteten Organisationen und Staaten, darunter Irans Obersten Führer Ali Chamenei, Hamas-Führer Yahya Sinwar und Mohammed Deif sowie Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah.
Diese Aussagen waren Teil der politischen Darstellung Netanjahus. Der genaue Zustand der iranischen Nuklearanlagen und militärischen Fähigkeiten sowie die langfristigen Folgen der Angriffe können anhand der Rede allein nicht unabhängig beurteilt werden.
An die Bevölkerung Irans gerichtet erklärte Netanjahu, das Regime in Teheran fürchte vor allem sein eigenes Volk. Es sei nur eine Frage der Zeit, bis die Bevölkerung die Machthaber überwinde. Er hielt dabei einen Starlink-Empfänger hoch, der einen von der staatlichen Zensur unabhängigen Internetzugang ermöglichen soll, und kündigte an, das Gerät für die iranische Delegation zurückzulassen.
Netanjahu verteidigte anschließend die israelische Kriegsführung seit dem Hamas-Massaker vom 7. Oktober 2023. Israel kämpfe seit fast drei Jahren an sieben Fronten. Die Gegner Israels hätten erwartet, dass das Land zusammenbreche. Stattdessen habe Israel Hamas und Hisbollah schwer getroffen und gemeinsam mit den Vereinigten Staaten die iranischen Streitkräfte entscheidend geschwächt.
Der Ministerpräsident ging auch auf die Lage im Westjordanland ein. Er sprach von Tausenden palästinensischen Anschlagsversuchen und erinnerte an den kürzlich ermordeten sechsfachen Vater Netanel Scharon sowie den lebensgefährlich verletzten Reservisten Neria Leiter. Dessen Vater, Israels Botschafter in den Vereinigten Staaten, Yechiel Leiter, war im Saal anwesend. Netanjahu erklärte, der Schmerz der Familie sei der Schmerz des gesamten israelischen Volkes.
Gewalttaten jüdischer Extremisten im Westjordanland bezeichnete Netanjahu als Taten einer kleinen Gruppe von etwa 150 jungen Straftätern. Er sagte, Israel gehe gegen sie vor, kritisierte aber, dass die internationale Berichterstattung diese Taten in den Mittelpunkt stelle, während palästinensische Anschläge weit weniger beachtet würden. Auch diese Zahlen und die Gewichtung der verschiedenen Gewalttaten entsprechen Netanjahus Darstellung und sind nicht als unabhängige Gesamtbilanz zu verstehen.
Einen weiteren Schwerpunkt bildeten die Genozidvorwürfe gegen Israel. Netanjahu wies sie scharf zurück. Hamas habe zivile Einrichtungen als militärische Infrastruktur und die Bevölkerung Gazas als menschliche Schutzschilde benutzt. Israel habe dagegen Millionen Warnnachrichten und Flugblätter verbreitet sowie Impfstoffe und große Mengen Lebensmittel in den Gazastreifen gelangen lassen.
Netanjahu bezeichnete den Genozidvorwurf als „Lüge des Jahrhunderts“. Israel habe keinen Genozid begangen, sondern einen geplanten Genozid der Hamas an den Juden verhindert. Diese Aussagen stellen die Position der israelischen Regierung dar. Internationale Organisationen, Regierungen und Gerichte bewerten die israelische Kriegsführung und die humanitäre Lage in Gaza teilweise anders. Eine abschließende völkerrechtliche Entscheidung über den Genozidvorwurf liegt weiterhin nicht vor.
Besonders scharf griff Netanjahu Katar an. Das Emirat habe über Jahrzehnte amerikanische und europäische Universitäten sowie Medien wie Al Jazeera finanziert. Ziel sei nach seiner Darstellung gewesen, junge Menschen gegen Israel, die Vereinigten Staaten und den Westen aufzubringen. Er bezeichnete diese internationale Auseinandersetzung um die öffentliche Meinung als eine „achte Front“ des Krieges.
Auch der türkische Präsident Erdogan wurde massiv angegriffen. Netanjahu warf ihm die Unterstützung von Hamas-Führern, die Unterdrückung der Opposition, die Inhaftierung von Journalisten, Angriffe gegen Kurden sowie eine aggressive Politik gegenüber Zypern, Griechenland und Syrien vor. Er beschuldigte Erdogan außerdem, nach einer türkischen Vorherrschaft über Syrien und Jerusalem zu streben.
An den New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani gerichtet erklärte Netanjahu, viele Juden fühlten sich seit dessen Amtsantritt in New York nicht mehr sicher. Er warf Mamdani Verbindungen zu Unterstützern der Hamas und zu Personen vor, die islamistische Gewalt rechtfertigten. Mehrere dieser Anschuldigungen wurden in der Rede zugespitzt formuliert und bedürfen jeweils einer gesonderten Überprüfung.
Zum Abschluss wandte sich Netanjahu an jüdische Menschen in aller Welt. Antisemiten wollten Juden einschüchtern. Die Zeit, in der Juden schutzlos zur Ermordung geführt worden seien, sei jedoch vorbei. Juden sollten den Kopf heben, stolz sein und sich nicht verstecken.
Fazit:
Netanjahus Rede war keine versöhnliche Ansprache, sondern eine umfassende Verteidigung der israelischen Kriegsführung und ein Angriff auf Israels internationale Gegner und Kritiker. Im Mittelpunkt standen Iran, der Kampf gegen die Genozidvorwürfe sowie der Vorwurf, Katar, die Türkei und Teile der westlichen Politik und Öffentlichkeit verbreiteten gezielt eine israelfeindliche Darstellung. Die Reaktionen im Saal zeigten zugleich, wie tief Israels internationale Isolation inzwischen reicht. Zahlreiche Aussagen waren politische Behauptungen Netanjahus und müssen als solche gekennzeichnet bleiben.
Quellen:
N12: „Netanjahu griff Katar und die Türkei an und antwortete auf die Vorwürfe gegen Israel: Genozid? Das ist die Lüge des Jahrhunderts“
https://www.mako.co.il/news-world/2026_q3/Article-f9b0cab9314d0a1026.htm
Walla: „Erdogan, Mamdani, Großbritannien und Frankreich: Netanjahus Antwort vor den Vereinten Nationen“
https://www.walla.co.il/news/world/383955290
Text von Yoram Ehrlich, Israel Daily Updates, 24.9.2026